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Ruhrgebiet
Fußball, Jugendkultur
Ultras–Szene

16.04.2016

Ultras Gelsenkirchen
Glückauf Kampfbahn Schalke
Gelsenkirchen, Deutschland 2008

Gelsenkirchen–Schalke

Das Bild ist entstanden in der »Glückauf-Kampfbahn«, wo Schalke sieben Mal Deutscher Meister wurde. Damals war Haengi Vorsänger der Ultras Gelsenkirchen, die er 2002 mitbegründete. Er war fasziniert von der Subkultur der Ultraszene, dem starken Gruppengefühl und der Loyalität untereinander.

Heute meidet er die Veltins-Arena aufgrund der Kommerzialisierung der Fußballunternehmen. Ultras werden oft mit Hooligans der 70er Jahre verwechselt. Sie leben ihre Subkultur mit Fanzines, Choreographien, Graffiti und stehen bedingungslos zu ihrem Verein. Ursprung ist die linke, kritische Studentenbewegung in Italien, die ihren Unmut mit Hilfe von Megaphonen, Trommeln, Fahnen und Spruchbändern zum Ausdruck brachte. Auch heute sind Ultragruppen politisch aktiv. So verbündeten sich jüngst die verfeindeten Ultras der Istanbuler Clubs gegen Erdogan.

Die UGE gilt als links orientiert, Schalke hat weniger Probleme mit Neonazis als der BVB, da sich schon 2001 eine Faninitiative gegen rechts und Rassismus bildete. Ultras sind im Durchschnitt 15 bis 25 Jahre alt und kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. In der Gruppe suchen junge Männer Identität, sie dient auch als Familienersatz.

Zuhause?
Mit 23 Jahren bin ich für Schalke 04 von Süddeutschland nach Gelsenkirchen gezogen. Meine ganze Zeit ging für den Fußball und die Ultragruppe drauf. Mit vielen Leuten aus dieser Zeit, bin ich immer noch eng befreundet.

Lebenswert?
Ein erfülltes Berufsleben und eine tolle Freundin. Früher hat sich alles um den Verein und UGE gedreht.

Nicht lebenswert?
Die Kommerzialisierung des Fußballs nervt. Der Staat möchte keine Gruppenbildung in der Gesellschaft dulden. Die echte Leidenschaft für den Verein wird von Fußball-Unternehmen ausgebeutet.

Glück?
Immer, wenn Schalke gewonnen hat und wir im Block feierten. Heute bin ich besonders glücklich auf Reisen, wenn ich eine neue Kultur kennenlerne.

Unglück?
Früher die Niederlagen im Fußball. Und wenn es zu Auseinandersetzungen mit Gegnern gab, die zu Ungunsten der UGE ausgingen.

Wunsch?
Wenn Schalke mal deutscher Meister wird, das würde mich freuen. Als Vorsänger wollte ich, dass die gesamte Nordkurve bebt. So wie in Südamerika.

Angst?
Wenn die Rechten in Deutschland die Macht übernähmen.