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Industriekultur, Bergbau
Flucht, Vertreibung

24.02.2016

Mohammad Al Shokor, Azad Mohammed, Samer Dudaki, Johann Bongers
Maschinenhalle Pattberg
Moers, Deutschland 2016

Heimat & Fremde

Johann Bongers singt seit über 50 Jahren im Knappenchor und hat über 40 Jahre als Maschinist die abgebildete Elektrofördermaschine von Schacht 1 der Zeche Pattberg bedient. Die Halle gehört inzwischen der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Sie wird unter dem Motto »Last Exit Moers« einer Nutzung für Kultur zugeführt. Die Band »Heimatlos«, bestehend aus syrischen Flüchtlingen, wird dort Konzerte geben.

Zuhause?
Bongers: Wo ich geboren und aufgewachsen bin. Ich bin nie aus Repelen, Kreis Moers, herausgekommen.
Azad: Ich bin Kurde aus Rojava / Westkurdistan. Bei uns respektieren sich alle, egal ob Mann und Frau, egal welche Religion! Wir geben alles um unsere Heimat gegen den IS zu verteidigen, ein Beispiel dafür war der Kampf um Kobane.

Nicht lebenswert?
Samer: Das war die Kriegshölle. Ich bin in den Libanon und von dort in die Türkei geflohen. Dort habe ich mir einen Schlepper gesucht. Dann über Land weitergereist. Vier Tage lang im LKW, ohne Essen, ohne Trinken, kein Licht und keine Lüftung. Es war so eng, wir mussten uns anpinkeln.

Unglück?
Mohammad: In Syrien hatten wir Einfuhrsperre und deshalb keine Lebensmittel. Es gab ein armes Mädchen und wir hatten nichts zu geben. Ein kleines Kind stirbt in deinen Händen, ohne, dass du etwas unternehmen kannst.
Azad: Die Flucht. Auf der Straße schlafen, die Gefahr im Boot, immer sind Dinge schief gelaufen. In der Türkei, in Griechenland, in Mazedonien, Serbien, überall haben sie uns ausgenutzt, es ging immer nur um Geld. Behörden, Polizei, Taxifahrer, stecken unter einer Decke. Sie haben sich das Schmiergeld geteilt. In Serbien, 12 Stunden bei Regen durch Wälder laufen, es war nass und kalt. Oft hatte ich das Gefühl, hier und jetzt zu sterben. Wir waren mit 34 Personen in einem geschlossenen Van und sind fast erstickt, es gab nur einen Schlitz an dem wir der Reihe nach Luft schnappen konnten.
Bongers: Meine Frau war 39 Jahre, als auf dem Weg nach Sonsbeck ein Unfall passierte. Eine befreundete Bäuerin, zu der Zeit schwanger, hatte meine Frau abgeholt. Die Bäuerin, brachte deshalb ein behindertes Kind zur Welt, das mit zwei Jahren starb, meine Frau verstarb schon auf dem Weg ins Krankenhaus.

Wunsch?
Bongers: Etwa 30 Jahre jünger möchte ich sein.

Angst?
Samer: Ich habe Angst vor morgen.

Change?
Mohammad: Menschen, die nur an Geld denken und anderen schaden, sollten den Löffel abgeben oder sich verändern.

Transformation?
Mohammad: Ich wäre gern Papst. Denn die Christen auf der ganzen Welt sind unsere Brüder.

Couchpartner?
Bongers: Das sind für mich sympathische Leute. Ich hoffe, dass es so bleibt.

 

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