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Kunst
Performance

14.07.2009

Kunsu Shim & Gerhard Stäbler

Komponisten 
»Earport«
DK - Roheisen & Recycling Duisburg, Deutschland 2009

»Es beflügelt mich, anders über Dinge nachzudenken«

Gerhard Stäbler kommt aus Wilhelmsdorf in Oberschwaben und lebt in Duisburg. Kunsu Shim kommt aus Südkorea und lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Die Komponisten leben in einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Sie gründeten das Earport-Projekt, einen Ort der Begegnung in Duisburg für audiovisuelle, neue und alte Musik und Performance Art. Die Werke der beiden Komponisten werden weltweit aufgeführt.

Zuhause?
Gerhard Stäbler: Ich hatte eine abwechslungsreiche Kindheit. Ich wuchs auf einem Bauernhof in einer Großfamilie auf. Aber die dörfliche Enge ging mir schnell auf den Geist und ich wollte weg. Zunächst habe ich zwei Jahre lang an der Musikhochschule in Detmold studiert, danach an der Folkwangschule in Essen, wo ich 30 Jahre lebte. Der Direktor des Wilhelm-Lehmbruck-Museums kannte Kunstprojekte, die Kunsu und ich in den 90er Jahren realisiert hatten, und machte uns das Angebot, als »Artists in Residence“« nach Duisburg zu kommen.
Kunsu Shim: Als ich mein Musikstudium in Korea absolviert hatte, merkte ich, dass das Studium für mich nicht befriedigend war. Ich kam durch meinen ehemaligen Lehrer nach Deutschland. In Stuttgart hatte ich das Glück, Gerhard kennenzulernen und wir entschieden uns zusammenzuziehen. So kam ich nach Essen. Dann ergab sich die Möglichkeit, nach Duisburg in ein Haus zu ziehen, unsere Projekte hier zu realisieren. Für mich ist Duisburg eine Stadt, in der es städtisches und ländliches Leben gibt. Das fasziniert mich und ich fühle mich wohl hier.

Lebenswert? 
Kunsu Shim: Ich war sehr krank und bekam einen Herzinfarkt. Als ich aus dem Koma erwachte, habe ich mir fest zur Aufgabe genommen, einen Menschen und mich selbst zu lieben. Das Dritte ist meine Arbeit als Komponist, die ich auch sozial definiere.

Nicht lebenswert? 
Gerhard Stäbler: Dummheit. Sie begegnet mir überall und ich empfinde sie als eine Begrenzung, die ich durchbrechen muss. Als Schwuler befindet man sich ständig in einer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, die »so etwas« als nicht akzeptabel oder als unnatürlich empfindet.

Glück?
Kunsu Shim: Ich war bei einem Konzert in Köln, ein langes Klavierstück. Es dauerte drei Stunden und es gab keine Pause. Obwohl es sehr schnell gespielt wurde, habe ich jede Einzelheit extrem klar und verlangsamt wahrgenommen. Es war anders als sonst. Das war ein unglaublicher Moment. Ich kam aus dem Konzertsaal. Da war eine Kirche, Gegenstände, Licht und Menschen. Ich hätte alle umarmen können.

Couchpartner? 
Gerhard Stäbler: Wir kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Das fordert mich immer wieder heraus, seitdem wir zusammen sind. Es beflügelt mich, anders über Dinge nachzudenken und über das, was ich mache. 
Kunsu Shim: Wir haben uns 1988 kennengelernt. Er ist mein Leben, ein Teil von mir, sein Auge, sein Ohr, seine Hand. Als ich ihn kennenlernte, fand ich seine Augen unglaublich schön, besonders seine Augenfarbe, diese Mischung aus Blau und Grün. Ich erforsche ihn immer wieder neu.