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Ruhrgebiet/Rheinland
Religion, Integration
Interreligiöser Dialog

11.01.2010

Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga
Kardinal von Honduras
DITIB Merkez Moschee
Marxloh, Duisburg, Deutschland 2010
Aus der Serie »Here & There – Ruhr 2010«

Kardinal & Moschee

Óscar Andrés Kardinal Rodríguez Maradiaga, 67, ist Erzbischof von Tegucigalpa, Honduras. Er ist seit 2007 internationaler Caritas-Präsident. Kardinal Rodríguez Maradiaga, zweimaliger Papstkandidat und enger Freund und Vertrauter von Papst Franziskus leitet die C8 (Kardinäle zur Erarbeitung der Reform der römisch-katholischen Kurie).

Zum Videointerview >

Ausschnitt aus dem Interview

Hier & Dort?

Maradiaga: Ich bin hier in einer Moschee und sehr glücklich über die Teilnahme an dem Projekt „Die Rote Couch“, welches sich um Brüderlichkeit, Verständnis und Zusammenarbeit in der Welt bemüht. Ich bin in einer Familie mit vier Kindern groß geworden. Ich fing schon in der Grundschule an darüber nachzudenken, Priester zu werden. Nach der weiterführenden Schule wurde ich Novize im Salesianer-Orden in San Salvador. Nach einer neunjährigen Ausbildung wurde ich Priester in Guatemala. Wir alle sind „Mestizos“, wir stammen von den spanischen Einwanderern und den indianischen Ureinwohnern ab. Wir haben uns alle vermischt, das ist unser Hintergrund. Wir sind ein Entwicklungsland und versuchen Fortschritte zu machen. Unser Leben ist ein einfaches Leben. Ich befolge kein Protokoll, wenn ich Gäste empfange oder Gemeinden besuche. Es ist eher ein familiärer Dialog.

Lebenswert?

Maradiaga: Ich bin glücklich, mit Leuten zu arbeiten und ihnen zu vermitteln, was die Bedeutung des christlichen Lebens im Alltag ist. Sich um andere kümmern, sich gegenseitig helfen. Und es macht mich glücklich zu sehen, wie die Menschen ihr Leben verändern und bessere Christen werden.

Nicht lebenswert?

Maradiaga: Ich leide unter der Ungerechtigkeit und der großen Armut bei uns, wir sind keine arme Nation, wir wurden verarmt. Es ist der Missbrauch von gemeinschaftlichem Gut, es ist die Korruption der Politiker. Es gibt kein  Interesse am Gemeinwohl.

Glück?

Maradiaga: Ich bin glücklich, wenn ich die Menschen meiner Gemeinde treffe, wenn ich ihren Sorgen und Nöten zuhören kann und mit ihnen die Sakramente zelebriere. 

Unglück?

Maradiaga: Als mein Vater Papst Johannes Paul II. starb. Und wenn ich sehe, dass unsere Politiker nichts verändern.

Wunsch/Traum?

Maradiaga: Wir sind den Deutschen, die Lateinamerika seit über 50 Jahren solidarisch helfen, sehr dankbar. Doch ich würde mir mehr Kontakt von Mensch zu Mensch wünschen, damit sie mehr über die wirkliche Situation in Lateinamerika erfahren. Und ich wünsche mir, Einfluss auf die Politik zu nehmen, um in Bezug auf die Entwicklung Lateinamerikas Veränderungen herbeizuführen.

Tod?

Maradiaga: Ich hoffe, zu Gott zu kommen und mit Ihnen und all meinen Lieben zu sein.