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Ruhrgebiet
Industrie, Tradition, Kohle und Stahl

14.12.2009

Hans Dawidzinski
polnischer Herkunft
Thyssen-Krupp Steel Duisburg, Deutschland 2009
Digital Pigment Print, 140 × 175 cm
Aus der Serie »Here & There – Ruhr 2010 Kulturhauptstadt Europas«

»Ich fand es früher lustiger, ich hoffe es geht wieder aufwärts

Hans Dawidzinski, 47, lebt in Duisburg und arbeitet als Verfahrensmechaniker bei Thyssen-Krupp Steel. Er ist in Oberschlesien, Polen, geboren und kam 1977 im Zuge einer Familienzusammenführung nach Deutschland.

»Alles hat sich stark verändert, immer weniger Belegschaft bei Thyssen Krupp, weniger Gastwirtschaften und Geschäfte. Ich fand es früher lustiger. Ich hoffe es geht wieder aufwärts.«

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Hier & Dort?

Hans Dawidzinski: Der Unterschied zwischen Oberschlesien und Duisburg liegt in der Mentalität der Menschen. Alles andere ist im Ruhrgebiet ähnlich. Das Leben in Oberschlesien war hektischer und unruhiger. Das lag aber wohl eher an der damaligen wirtschaftlichen Situation. In Polen hat sich seither einiges verändert. Leider nicht nur zum Guten. Das Menschliche bleibt jetzt mehr auf der Strecke, dafür geht es den Leuten wirtschaftlich besser als früher.

Lebenswert?

Hans Dawidzinski: Das Private, dass es beruflich läuft, für mich ist einfach lebenswert rauszugehen, mit Freunden Spaß zu haben, dass es meinen Freunden gut geht, meiner Familie. Das ist für mich lebenswert.

Nicht lebenswert?

Hans Dawidzinski: Dass das Kommerzielle immer im Vordergrund steht. Ich bin mit Sicherheit nicht naiv, Geld war schon immer wichtig, aber in meinen Augen geht es nur noch um Geld, und das gefällt mir überhaupt nicht.

Glück?

Hans Dawidzinski: Also das glücklichste in meinem Leben war die Geburt meines Sohnes. Es war keine einfache Geburt für meine Frau, es war eine sehr schwierige Zeit für uns, wir haben vorher ein Kind verloren und dann war das ein Moment da konnte ich nur vor Glück weinen. Das war so.

Unglück?

Hans Dawidzinski: Der Verlust meines Sohnes. Meine Frau war im 6.Monat schwanger und wir haben das Kind verloren, das war das Schlimmste. Und bei der zweiten Schwangerschaft, die Ärzte haben uns abgeraten, da stand sie schon unter ganz anderer Beobachtung, praktisch alle zwei Wochen ist sie in die Klinik nach Polen gefahren. Es war auch ein Frühchen, ein Kaiserschnitt.

Wunsch/Traum?

Hans Dawidzinski: Gesundheit für meine Familie und Frieden, angefangen von der Haustür und in die Welt hinaus. Das wär mein größter Wunsch.

Angst?

Hans Dawidzinski: Später einmal alleine zu sein. Ich sehe immer mehr bei meinen Eltern, wie die Freunde weniger werden, sterben und sie einsamer werden.

Transformation?

Hans Dawidzinski: Ich wäre gerne ein gewaltiger, mächtiger Politiker und könnte verkünden, dass es gelungen ist, auf der ganzen Welt Frieden herzustellen.

Universum?

Hans Dawidzinski: Gott war es auf keinen Fall. Obwohl ich in die Kirche gehe, aber so weit reicht meine Vorstellungskraft nicht, dass Gott so etwas wie das Universum geschaffen hat.

Tod?

Hans Dawidzinski: So weit denke ich nicht. Ich will leben, und danach wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Was dann passiert, darauf habe ich keinen Einfluss.