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Ruhrgebiet/Rheinland
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Rhein–Ruhr Mündung

12.03.2009

Fritz Pleitgen
Journalist mit von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen aus dem Kaukasus
Rhein-Ruhr Mündung, Deutschland 2009
Aus der Serie »Here & There – Ruhr 2010«

»Einen Schlussakkord hinter das Gerede vom Bindestrich–Land setzen!«

»Wir wollen einen Schlussakkord hinter das Gerede vom Bindestrichland setzen. Nordrhein-Westfalen ist Vielen längst eine gefühlte Heimat geworden.« WDR-Intendant Fritz Pleitgen zum 60-jährigen NRW-Jubiläum

Fritz Pleitgen, Journalist, in Duisburg-Meiderich geboren, arbeitete u. a. als Korrespondent für die Tagesschau in Brüssel, Paris, Moskau, Ostberlin und Washington und war von 1995 bis 2007 Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Seit 2007 ist Fritz Pleitgen Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH. Berühmt sind Pleitgens Filmdokumentationen über den Kaukasus. Elena Patova und ihr Sohn Nodari Batirbekov sind Flüchtlinge aus Kabardino-Balkarien und zum Zeitpunkt der Aufnahme (Februar 2009) akut von Abschiebung bedroht. Aufgrund der bei den Aufnahmen entstandenen Medienöffentlichkeit beschäftigte der Fall die Härtefallkommission. Heute leben sie in Moers. Elena hat einen Job und Nodari besucht das Gymnasium.

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Hier & Dort?

Fritz Pleitgen: Mein Verhältnis zu Duisburg ist seltsam. Ich bin früh weggezogen, habe aber Duisburg immer als meinen Heimatort angesehen.

Elena Patova: Im Kaukasus war Angst, nur Angst. Wir haben in Deutschland um Zuflucht für unsere Familie gebeten.

Lebenswert?

Elena Patova: Das Leben ist schön, weil es uns von Gott gegeben wurde.

Angst?

Nodari Batirbekov: Die Bundesregierung sagt, dass wir wegfahren sollen und nicht hierbleiben dürfen. Ich habe Angst davor, aus Deutschland wegzumüssen.

Glück?

Fritz Pleitgen: Ein glücklicher Moment war sicher der Fall der Mauer, das Zusammenkommen der Menschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. Da hat man sich gesagt: »Donnerwetter, nichts ist unmöglich.«

Elena Patova: Die Erinnerung an meine Kindheit und die Geburt meines geliebten Sohnes.Unglück?

Nodari Batirbekov: Aus Deutschland wegmüssen und nie wieder zurückkommen können.

Verwandlung?

Fritz Pleitgen: Ich möchte nicht der Präsident der Vereinigten Staaten sein und kein Bundeskanzler. Wenn ich meinen Job beende, werde ich mich um die Menschen auf der Welt kümmern, die Hilfe brauchen, wenn auch nicht vollberuflich. Aber ich werde so viel meiner Zeit wie möglich dafür aufbringen.

Nodari Batirbekov: Ich möchte Zahnarzt werden, ein deutscher natürlich, der sehr gut ist und viel verdient.

Elena Patova: Ich möchte mich in Erde verwandeln.

Tod?

Fritz Pleitgen: Wenn in Erinnerung bleibt, dass irgendetwas Nützliches von mir ausgegangen ist, das ist die Hoffnung, die ich nach meinem Tod habe. Was das Jenseits angeht, habe ich keine Vorstellung. Ich denke aber, dass ich zu Staub zerfalle und nicht mehr existiere.

Botschaft an das Publikum?

Elena Patova: Es fällt mir schwer. Bitte helft mir und meinem Sohn, in Deutschland bleiben zu dürfen.