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Gesellschaft, Familie
Altersarmut

18.07.2016

Cäcilia »Cilly« Elzer
Rentnerin
Köln, Deutschland 2016

Knapp ein Drittel bleibt übrig

Angesichts der demografischen Entwicklung und sinkender Renten werden in Zukunft nur Wenige ausreichend versorgt sein. Altersarmut ist vor allem weiblich und städtisch. In Köln (7,3 %), Düsseldorf (7,2 %) und Ruhrgebietsstädten (über 5 %).

Cilly wohnt (noch) im Agnesviertel Köln, dort werden bis zu 8.000 €/qm für Wohneigentum bezahlt. 1985 zahlte sie 420 DM Miete, heute über 800 € bei 1.200 € Rente. Cilly käme ohne den Zuschuss ihrer Betreuerin Gabi Gillen nicht über die Runden. Angesichts der Marktsituation versuchen Vermieter und Nachbarn, über juristischen Druck und Mobbing, Cilly aus ihrer Wohnung zu drängen. Dabei hat sie ein gutes Leben im Alter verdient. Sie wurde 1934, als einziges Mädchen von 13 Geschwistern, geboren. Die Eltern verstarben früh, Cilly kam in Kinderheime nach Koblenz und Bonn, später in Pflegefamilien. Hunger, sexueller Missbrauch, ungerechte oder gar keine Entlohnung waren an der Tagesordnung. Als junge Frau fand sie Anstellung als Pflegerin im Krankenhaus, in dem sie bis zur Rente arbeitete. Mit 40 Jahren erfuhr sie von einem Frauenarzt, dass sie als 16-jähriges Mädchen zwangssterilisiert wurde. Sie hatte sich ein Kind mit ihrem geliebten Ali gewünscht und gewundert, warum es nicht klappte. Bis 1990 wurden in Deutschland, laut Bundesjustizministeriums, jedes Jahr noch 1.000 Zwangssterilisationen durchgeführt.

Zuhause?
Man wollte mich hier rausschmeißen und in ein Heim stecken. »Sie brauchen sich keine Gedanken machen, ihre Möbel fahren wir zum Sperrmüll« Da habe ich gesagt: »Das kommt nicht in Frage, ich bleibe hier drin.« Ich habe mit Gabi Gillen eine tolle Betreuerin, sie hilft mir sehr, sonst wäre ich heute nicht hier.

Lebenswert?
Als mein Bruder Horst mich nach Amerika eingeladen und vom Flughafen abgeholt hat.

Nicht lebenswert?
In der Pflegefamilie, ich habe von morgens bis nachts um zwei Uhr arbeiten müssen. Der Vater hat mich nachts belästigt, ich hatte keinen Schlüssel zum Zimmer auf dem Speicher. Ich war nie gepflegt, hatte nur einen Eimer zum Waschen. Sie haben mich nur ausgenutzt, ich bekam kein Mittagessen und kein Abendbrot. Ich hab manchmal Sachen im Laden klauen müssen.

Glück?
Als ich Ali kennenlernte. Wir waren 40 Jahre glücklich zusammen. Ich war das Hausmütterchen, habe gewaschen, gebügelt, gekocht, alles was Ali wollte. Es war so schön zusammen zu sein.

Change?
Nicht nur an Geld, Geld, Geld denken. An arme Kinder denken, die wirklich viel mitmachen.

Transformation?
Eine Katze, denn Tiere werden gut behandelt.