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14.04.2009

Mohammed Ali Oueslati, Alcky Biuma & Mohamed Achmed
Abschiebehaft
Justizvollzugsanstalt Büren, Deutschland 2009

Das lange Warten

In der ehemaligen JVA Büren werden männliche Abschiebehäftlinge aus ganz Nordrhein-Westfalen untergebracht, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich der Abschiebung entziehen. Sie dürfen sich tagsüber frei in der Einrichtung bewegen, eigene Handys nutzen und Besuch empfangen. Die UfA (Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige) in Büren wurde inzwischen von 80 auf 175 Plätze erweitert. Die durchschnittliche Haftdauer beträgt 21 Tage. In NRW gab es 2015 rund 4.400 Abschiebungen, ca. 500 davon waren in Abschiebehaft, 8.200 abgelehnte Asylbewerber kehrten freiwillig in ihre Heimatländer zurück. Zur Zeit leben 54.000 Ausreisepflichtige in NRW. Viele können nur schwer abgeschoben werden, da sie keine Papiere haben, krank sind oder von ihren Heimatländern nicht aufgenommen werden.

Alcky Biuma, (21), kommt aus dem Kongo. Zum Zeitpunkt der Aufnahme befand sich Alcky schon fünf Monate in Abschiebehaft. Kurz danach ging sein Wunsch in Erfüllung: Er wurde freigelassen und lebt heute in Köln.

Zuhause?
Meine Mutter war Diamantenhändlerin, ich hatte eine schöne Kindheit. Sie hat alles getan, was eine alleinerziehende Mutter tun kann. Wir gingen nach Deutschland, meine Mutter wollte mir eine bessere Perspektive bieten. Inzwischen ist Deutschland mein Zuhause. Zweimal wurde ich Botschaft und Konsulat vorgeführt. Sie meinten, ich sei nicht kriminell, sei hier zur Schule gegangen und aufgewachsen. Aber Papiere und einen Pass bekam ich trotzdem nicht. Als Schwarz-Afrikaner ist es scher, in Deutschland zu leben. Man geht zur Schule in der Hoffnung einen Job zu finden. Man landet schnell auf der schiefen Bahn und kommt ins Gefängnis. Sofort gibt es einen einen Grund, gegen Afrikaner zu sein. Europäische Länder haben gegenüber Afrika eine Verantwortung. Sie haben Afrika kolonialisiert und ausgebeutet. Deshalb ist Afrika heute so, wie es ist.

Glück?
Als ich vom FC Köln in die Jugendmannschaft aufgenommen wurde. An dem Tag, als meine große Liebe mir sagte, was sie für mich empfindet.

Unglück?
Meine Verhaftung. Ich habe deshalb meine Freundin verloren. Das ist schmerzhaft.

Angst?
Ich habe Angst zu sterben. Ich möchte Geld verdienen, meiner Mutter ein großes Geschenk machen, bevor sie oder ich nicht mehr leben. Sie hat soviel für mich getan.

Transformation?
Jedes Kind ist zuerst Künstler, aber schwierig, es zu bleiben, wenn man erwachsen wird. Ich wäre gern Picasso oder Leonardo da Vinci; Muhammad Ali zu sein, wäre auch cool.

Universum?
Gott hat viel für mich getan. Oben ist jemand, der für dich sorgt. Gott wird mir helfen, hier wieder heraus zu kommen.